Allgemeines zu MTBE

Amerikanische Wissenschaftler entdecken im zweiten Weltkrieg die hohe Klopffestigkeit von MTBE.

In den 70er Jahren beginnt die Produktion von MTBE in Europa und den USA im industriellen Maßstab. MTBE wird fast ausschließlich als Additiv für Vergaserkraftstoffe eingesetzt. In den USA steigt die Produktion mit Beginn der 90er Jahre sehr stark an, um die Emissionen von Kraftfahrzeugen in den Ballungsgebieten zu reduzieren (Clean Air Act). In Deutschland wird MTBE überwiegend als Ersatzstoff für Bleitetraethyl eingesetzt.

Zu Beginn der 90er Jahre beginnen in den USA Untersuchungen zur toxikologischen Relevanz von MTBE.  Dabei wurden bei Versuchen an Ratten und Mäusen kanzerogene Wirkungen durch extrem hohen Dosen festgestellt. Nach heutigem Kenntnisstand wird MTBE weder in den USA noch in der BRD gesetzlich verbindlich als kanzerogener Stoff für den Menschen eingestuft. Die Bewertung von MTBE in den USA orientiert sich ausschließlich an den niedrigen Geruchs- und Geschmacksschwellen.

Gegen Ende der 90er Jahre wird durch verschiedene wissenschaftliche Arbeiten festgestellt, dass sich MTBE in den Umweltkompartimenten Luft, Regenwasser, Oberflächenwasser, Fließgewässer und Grundwasser in geringen Konzentrationen nachweisen lässt. 

1995 wird die erste Kontamination einer Trinkwassergewinnungsanlage in den USA festgestellt (Santa Monica in Kalifornien). Landesweite Grundwasseruntersuchungen werden in den folgenden Jahren in den USA durchgeführt. In Deutschland wird im Jahre 2000 die erste Verunreinigung einer Trinkwassergewinnungsanlage in Schleswig-Holstein festgestellt.

Ab 1999 werden initiiert durch Bundesländer erste Grundwasseruntersuchungen in Deutschland durchgeführt. Es werden überwiegend nicht nachweisbare oder sehr niedrige Werte im Grundwasser festgestellt, im Abstrom von Tankstellen jedoch z.T. >10.000 µg/l.

Ab 2003 ist die Verwendung von MTBE als Benzinadditiv in Kalifornien untersagt. Zur Zeit haben 26 US-Bundesstaaten die Verwendung von MTBE als Benzinadditiv verboten oder prüfen derzeit ein Verbot.

Es gelten in Kalifornien und Dänemark MTBE-Trinkwassergrenzwerte von 5 µg/l. Die US-EPA definiert als Maximalwerte im Trinkwasser 20 -- 40 µg/l. In Deutschland wurden von der LAWA Geringfügigkeitsschwellenwerte von 15 µg/l für das Grundwasser festgelegt. 

Bei Grundwasserkontaminationen durch MTBE werden überwiegend Pump and Treat-Maßnahmen durchgeführt. Aufgrund seiner physikalisch-chemischen Eigenschaften ist MTBE schlecht an Aktivkohlen adsorbierbar und mäßig stripbar. Dennoch hat sich in der Praxis erwiesen, dass zur Grundwasseraufbereitung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten das Stripen die Standardtechnologie darstellt. Der Wirkungsgrad des Stripens wird durch eine deutliche Erhöhung des Luft : Wasser-Verhältnisses der Stripanlagen um ca. den Faktor 6 verbessert.

Einerseits besitzt MTBE positive Eigenschaften im Hinblick auf die Abgasqualität von Ottomotoren, andererseits kann MTBE bei Schadenfällen aufgrund seiner hohen Wasserlöslichkeit und des eingeschränkten biologischen Abbaus zu starken Grundwasserverunreinigungen führen, die durch lange Kontaminationsfahren gekennzeichnet sein können. Schlussfolgernd sollte über die weitere Verwendung von MTBE unter dem Gesichtspunkt einer ganzheitlichen Betrachtung der Vor- und Nachteile entschieden werden.